Mein Unbehagen: das eines intensiven Google-Nutzers

Building 42, Mountain View, CA 94043, Kalifornien, USA: Hier waschen Google-Mitarbeiter ihre schmutzige Wäsche. (Foto: Marcus Schwarze)
Das Freche an Google Street View ist gar nicht der Wunsch dieses US-Unternehmens, meine Hausfassade irgendwo im Netz zu veröffentlichen. Sollen sie doch.
Das Freche ist diese Respektlosigkeit, mit einem Businessplan im Hintergepäck oder vielleicht auch keinem Geschäftsplan flächendeckend in meiner Nachbarschaft vorbeizufahren und wahllos, zu einem mir unbekannten Zeitpunkt, abzuknipsen, wer vor meinem Haus und vor allem darin gerade zu sehen war, als das Streetcar zufällig vorbeikam. Man setzt mir eine Frist, der Veröffentlichung zuzustimmen, nun großzügig um vier Wochen verlängert.
Was für ein Quatsch. Wer zwingt mich eigentlich dazu, zwei von meinen drei Familienmitgliedern mit etwas beschäftigen zu müssen, das sie gar nicht überblicken können: meine Kinder? Zufällig habe ich wegen einer Erkrankung hier hinter dieser Hausfassade für die nächsten 6 Monate eigentlich keine Zeit dafür. Das geht niemanden etwas an, worum es geht. Aber ich soll reagieren. Unbehagen. » weiterlesen
Der nächste Schritt: Gesichter erkennen
Die großen US-amerikanischen Internetdienste Facebook und Google planen die Einführung neuer Funktionen zur massenhaften automatischen Erkennung von Gesichtern auf Fotos. Darauf deuten jüngste Zukäufe der Unternehmen.
Es gibt kein öffentliches Interesse an der massenhaften Zurschaustellung persönlicher Lebensumstände
Zu den absurden Merkwürdigkeiten bei der Einführung des Bildersammeldienstes Google Street View gehört, dass man sich mit seinem Namen und seiner Adresse just bei jenem Unternehmen melden soll, dem man die Veröffentlichung von Bildern seines Wohnhauses untersagen möchte. Sollte es nicht genau umgekehrt sein? Jedes Telekommunikationsunternehmen muss sich von Neukunden schriftlich geben lassen, ob und wo die persönliche Telefonnummer veröffentlicht werden darf.
Viele Bürger möchten aber gar nicht Kunde von diesem Datensammler Google werden. Wer wollte es ihnen verdenken? Im Grunde müsste das US-Unternehmen in die Pflicht genommen werden, jeden Hausbesitzer in Deutschland anzuschreiben und um die Erlaubnis zur Veröffentlichung der jeweiligen Aufnahmen zu bitten. An der massenhaften Zurschaustellung persönlicher Lebensumstände gibt es kein öffentliches Interesse.
Wie wenig umsichtig Google mit den Sorgen der Menschen umgeht, zeigt ein anderes Beispiel. Als gäbe es die ganze Diskussion um den Datenschutz bei Street View gar nicht, hat das Unternehmen vor Kurzem bereits die nächste Bilderdatenbank mit seinem Kartendienst verknüpft: Bei Panoramio erscheinen Aufnahmen von Plätzen und Häusern, die Internetnutzer hochgeladen haben. Von Widerspruchsmöglichkeiten oder Unkenntlichmachungen abgebildeter, nichtsahnender Personen oder Kfz-Kennzeichen ist in dieser Bildersammlung überhaupt keine Rede.
Bei Telefonnummern wacht eine mehrere hundert Mitarbeiter starke Bundesnetzagentur über deren ordentliche Verwendung. Wer anders als eine staatliche Behörde sollte dasselbe bei Adressdatensammlungen inklusive angehängter Fotodatenbank übernehmen? Das dafür geeignete Ministerium trägt den Verbraucher in seinem Namen.
Marcus Schwarze
Umstrittenes Street View ist als “Light”-Variante von Google längst Realität: durch Panoramio
Nun soll Google Street View also in den nächsten Wochen auch in Deutschland starten. Doch ist der Pegman, diese kleine lustige Figur in Google Maps, bereits seit Mitte Juni schon auf Deutschlands Karten von Google Maps nutzbar. Denn trotz aller Kritik vor allem aus Deutschland an dem Dienst Street View hat das US-Unternehmen über den Pegman bereits seit einiger Zeit eine Verknüpfung zu einer ganz anderen Bilddatenbank hergestellt: die von Panoramio.
Der "Pegman" dient bei Google Maps zum Navigieren durch die Karte: Anfassen, Ziehen, auf einen blauen Punkt auf der Karte ablegen -- daraufhin erscheint ein Foto oder eine 3-D-Ansicht vom betreffenden Ort.
Bei Panoramio handelt es sich um eine Bilddatenbank, in die Internetnutzer aus aller Welt private Aufnahmen hochgeladen haben und weiter hochladen. Über die Ortungsfunktionen moderner Digitalkameras werden in diesen Bilder ebenso Geoinformationen hinterlegt wie bei den Street-View-Aufnahmen. Plätze, Hausansichten und Landschaften lassen sich so für viele Orte der Welt bequem aufrufen.
Sichtbar werden die Panoramio-Bilder auch bei Google Maps. Man ziehe einfach den Pegman auf die Kartenansicht seiner Stadt und dort auf einen blauen Punkt einer nahegelegenen Straße. Der Zugriff auf die Bilder aus der Gegend geschieht hier nicht ganz so schick miteinander verknüpft wie bei den filigranen 360-Grad-Aufnahmen der Street-View-Autos, die bekanntlich eine 3-D-Landschaft anmuten lassen, während man sich durch die Webansicht bewegt; doch wächst das Angebot an zweidimensionalen Bildern aus den Straßenzügen der Republik auch so täglich.
Teils wunderschöne Aufnahmen
Beigesteuert von Nachbarn, Fotoenthusiasten, eben dem gemeinen Volk, entsteht dort ganz ähnlich wie bei Flickr eine riesige Bilddatenbank. Panoramio-Mitarbeiter sichten die Aufnahmen regelmäßig und speisen sie erst nach Prüfung bei Panoramio ein. Für eine Stadt wie Hannover finden sich dort viele hundert, teils wunderschöne Aufnahmen der Stadtkulisse — und auch manches Bild aus dem Hinterhof.
Sichtbar werden diese Bilder nicht nur bei Panoramio, sondern auch bei Google Earth und Google Maps. So hat Google praktisch durch die Hintertür bereits vor Wochen eine Art Street View Light eingeführt.
Texperiment, das Ergebnis: Wie Kommunikation 2010 funktioniert
Vor drei Wochen startete ich per Veröffentlichung in diesem Blog und einem Hinweis darauf bei Twitter ein Experiment: Für unsere Wochenendbeilage “der 7. tag” suchte ich Mitstreiter, die daran mitwirken wollten, Kommunikation im Jahr 2010 darzustellen. Gesagt, getan: Tatsächlich nahmen Dutzende Interessierte Anteil, sammelten in diesem von mir so getauften “Texperiment” gemeinsam in diesem Google-Dokument Notizen, Anekdoten, Hinweise. Hinzu kamen Mails und Hinweise von Lesern, die nicht aktiv teilnehmen wollten, aber etwas Bemerkenswertes beobachtet hatten.
Ein Text, der gemeinsam mit Lesern entstehen sollte: Das ist natürlich ein gewagtes Unterfangen. Zumal viele von uns sehr tief in dieser Welt am Bildschirm stecken. Für die Leser einer Wochenendbeilage galt es vor allem, zu übersetzen und zu erklären. Und es galt trotz des großen Platzes, den drei Seiten im Nordischen Zeitungsformat bieten, viele Dinge wegzulassen. Hinzu kommt, dass für das jahrelang erprobte Format des “7. tags” besondere Formen leseüblich sind wie etwa ein großes Bild auf der ersten Seite, das mit der Überschrift und dem eigentlichen Thema spielt – was wiederum in einer Darstellung im Netz nicht so einfach funktioniert. Die Gestaltung des entstandenen Textes hier im Blog folgt daher etwas anderen Regeln. Aber lest selbst.
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Eine Welt merkwürdiger Worte tut sich auf, wenn man das Leben der ,,digital natives“ erkunden möchte, jener digitalen Ureinwohner, die ganz natürlich mit dem Internet aufwachsen. Sie sind häufig online, lesen viel im Netz und machen sich mit eigenen Beiträgen selbst zum Teil des Netzes. In der Sprache dieser Menschen wird „geliket“, „getweetet“ und „gediggt“– so hinterlässt der Surfer seine Spuren und teilt in „Statusmeldungen“ mit, ob er Single ist oder gerade aus dem Urlaub zurückgekehrt ist. Treten die ,,digital natives“ mit anderen in Kontakt, wird „gegruschelt“, „gexingelt“, sich zum „Twittagessen“ verabredet: Man macht sich digital miteinander bekannt und führt sich gegenseitig in Listen. Und ist man ein Jäger und Sammler von besonders interessanten Veröffentlichungen im Netz oder gar selbst kreativ, dann werden Videos bei YouTube, Fotos bei Flickr hochgeladen und per Twitter neue „Faves“ (Favoriten) verlinkt. Nur das „Chatten“ als Symbol der Internetnutzung aus früheren Jahren wird allmählich ,,Old School“: Livequatschen am Bildschirm wird mehr und mehr etwas für Leute mit zu viel Zeit. Oder für die ganz jungen als Einstiegsdroge.
Texperiment: “der 7. tag” über Kommunikation im Jahr 2010

Was man eben so braucht, unterwegs. (Foto: (CC) maczter / http://www.flickr.com/photos/maczter/3008375479/)
In voraussichtlich zwei Wochen erscheint unsere HAZ-Wochenendbeilage “der 7. tag” zum Thema Kommunikation im Jahr 2010. Als kleines Experiment und zur Vorbereitung möchte ich Leser und Belesene, Kreative und Intensivnutzer der Kommunikationsmöglichkeiten des Webs ermuntern, daran mitzuwirken. So geht’s:
- In diesem Google-Dokument versammeln wir Notizen, Anekdoten, Erzählenswertes aus der Kommunikation im Jahr 2010.
- Das Thema: Wie drastisch sich die Kommunikation verändert.
- Die Thesen und Fragen: Für viele ist es ein Spiel von Nerds, Zeitvergeudung, bedenklich wegen des Verlusts an Privatheit und information overkill. Doch immer mehr machen mit: Übers Internet wird getwittert, gefacebookt, werden neue Lesemechanismen etabliert und komplett neue Dienste und Geräte nur dafür erfunden. Eine neue Welt entsteht. Was ist daran besonders? Warum machen die das, die mitmachen? Und wie geht das? Eine Einführung. (Und nur hier in diesem Internet: als Vorbereitung darauf das Experiment.)
- Das Ziel: den Zeitungslesern verständlich erklären, was da gerade passiert; den Nutzern einen Rahmen bieten, sich zu erklären. Ich möchte die Mechanismen eines gemeinsamen Google-Dokuments gerne dazu nutzen, um mit Eurer Hilfe den Stand der Dinge möglichst lesefördernd abzubilden. Ich nenne das: Texperiment. Mir ist klar: Dies ist nicht die Neuerfindung des Zeitungmachens, Kollegen der “Rhein-Zeitung” und von “Welt Kompakt” haben schon ganz ähnlich mit Lesern und Kreativen ganze Zeitungsausgaben gefüllt. Hier geht es um ein Thema: Kommunikation 2010. Und damit möchten wir drei volle Seiten im Nordischen Zeitungsformat füllen, erklären, interessant machen.
- Versprochen: Die Worte Revolution und Web 2.0 werden höchstens einmal, Hudson River und Christian Pfeiffer/Amoklauf keinmal auftauchen.
- Mitmachen geht ganz einfach: Eine Mail an mich unter msc@haz.de — und dann lade ich Interessierte gerne zum Mitbearbeiten und Ergänzen dieses Google-Dokuments ein. Ansonsten ist das Google-Dokument nur zum Lesen (nicht aber Bearbeiten) freigegeben. Wer mir vielleicht weniger öffentlich etwas zum Thema erzählen möchte, kann mir seine Geschichte gerne auch zumailen oder mich anrufen: Tel. +49-172-5118598.
- So könnt ihr mitmachen, Beispiele:
- Wie hat sich euer Leseverhalten, verglichen zum Beispiel mit der Schulzeit, zuletzt verändert?
- Welches “digitale Ereignis” hat euch vor Augen geführt, dass wir in einer anderen Zeit leben?
- Seid ihr im Web schon einmal richtig auf die Nase gefallen?
- Was sagen Nonliner über euch?
- Welche(r) Mail/Tweet/Facebook-Eintrag hat tatsächlich euer Leben verändert?
- Merkwürdige Erlebnisse bei formspring/chatroulette/anderen Kurzzeithypes?
- Was alles schief gehen kann:
- ein shitstorm, weil ich fürs Mitarbeiten kein Honorar zahlen kann;
- ein nostorm, weil ich ganz kühn einen Redaktionsschluss bis bereits kommenden Mittwoch, 24 Uhr setzen muss;
- vielleicht aber auch ein Füllhorn an Bemerkungen, wertvollen Hinweisen und ins Google-Dokument kopierten Geschichten von Webseiten, die das Dokument ad hoc unbrauchbar machen. Wie das so ist mit Experimenten. Gegenrecherche und Prüfung sowie gewiss manches Verwerfen wird mir das Texperiment nicht ersetzen.
HDTV: Die wichtigsten Fragen und Antworten
Die Fußball-WM sollte dem hochauflösenden Fernsehen HDTV den Durchbruch bringen – und tatsächlich verzeichneten die Hersteller von TV-Geräten in den Wochen vor der WM einen Absatz- und Umsatzboom. Doch nicht überall läuft die neue Technik ohne Störungen und Irritationen. Die wichtigsten Fragen und Antworten.
Nachmacher! Noch einer, aus Hannover
Lenas Grand-Prix-Hit „Satellite“ hat schon viele Künstler zu Nachahmungen angeregt. Eine witzige Coverversion hat auch das hannoversche Trio „Wolfgang Grieger und die High Nees“ verfasst: das „Sattel Lied“:
Ich lief dir immer hinterher,
für dich war ich beim Intimfrisör.
Ich würd’ wirklich alles tun, ich schwör,
doch nun ist es schon vorbei.
Dein neuer Typ, der ist nicht geil,
der ist genau das Gegenteil.
Seine Stimme wie ein Glöckchen zart
und wieso trägt der nen Damenbart?
Laf O Laf, Olaf ist dein Neuer.
Ei O Ei, einer den keiner braucht.
Wie ein Sattel Lied, es braucht keiner ein Lied vom Sattel,
wie ein Messer ohne Klinge,
wo der Griff noch fehlt.
Olaf ist hässlich und nicht klug,
der ist doch Schaffner in ‘nem Spielmannszug.
Ich wette zu dämlich zum Haare kämmen,
renkt der sich die Schulter aus.
Nen Weichei ist Granit dagegen,
der lässt sich beim Friseur doch ne Spritze geben.
Der hat zwar so was wie nen IQ,
doch die Tür zum IQ ist zu.
Laf O Laf, Olaf ist dein Neuer.
Ei O Ei, einer den keiner braucht.
Wie ein Sattel Lied, es braucht keiner ein Lied vom Sattel,
wie ein Messer ohne Klinge,
wo der Griff noch fehlt.
Und wenn ich euch sehe, dann denk ich,
man das ist nicht ok,
was hat der nur was ich nicht hab ohoho.
Dann zeigt er sein Konto,
und das ist voll bis oben hin.
Doch das ändert nix daran.
Laf O Laf, Olaf ist dein Neuer …
Am 21. Juni treten die „High Nees“ um 18.30 Uhr auf der Kulturbühne an der Kreuzkirche bei der Fête de la Musique auf. Am 9. August sind sie um 21.30 Uhr beim Maschseefest auf der Löwenbastion zu Gast.
Nabelschau: Wie die HAZ online den Eurovision Song Contest begleitete
Während des Finales beim Eurovision Song Contest herrschte in Oslo und in Hannover Ausnahmezustand. Die Medienjournalistin Ulrike Langer hat die Aktivitäten der HAZ-Redaktion beobachtet: Wir waren mit einem Live-Ticker, bei Twitter und Co. sowie auf HAZ.de vor, während und nach der Veranstaltung präsent. Und als bekanntlich Lena Meyer-Landrut aus Hannover siegte, war auch bei manchen aus der Redaktion die Freude groß. Hier ihre Zusammenstellung der HAZ-Aktivitäten online.



Marcus Schwarze (msc), Jahrgang 1969, schreibt für die HAZ seit den Anfängen der Digitalen Revolution Mitte der neunziger Jahre über ihren Nutzen, ihre Ausprägungen und Auswirkungen sowie über ihre Gefahren.